Der Uerige feiert das 150-jährige Bestehen
Knötterige Kantigkeit und permanent schlechte Laune klingen nicht nach dem Rezept für eine Erfolgsgeschichte. Doch der „Uerige", auf Platt ein Synonym für jene zweifelhaften Charakter-Eigenschaften, hat zweifellos eine solche geschrieben. In diesen Tagen blickt die Hausbrauerei im Herzen der Altstadt auf eine 150-jährige Tradition des „Lecker Dröppke" zurück. Gestern hisste Baas Schnitzler die acht Meter hohe Jubiläums- Flagge, hat Sonderetiketten für die Flaschen drucken lassen und bietet ein Aktionsprogramm rund um den besonderen Geburtstag an.
Schon am späteren Vormittag füllen sich die Räumlichkeiten an der Ecke von Berger- und Rheinstraße. Es gilt weiter die Devise: Hier geht jeder hin! Alteingesessene Altstädter drängen sich direkt neben japanischen Touristen und bieten einen skurrilen Mix in diesem Altbier-Magneten. Und wegen des üppigen Zuspruchs kolportieren die Gäste häufig, eher anerkennend als neidvoll: „Die können zwei Mal am Tag das Geld mit der Schubkarre zur Bank fahren!" Wann das traditionsreiche Patrizierhaus erbaut wurde, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Belegt ist jedoch, dass es sich von 1658 bis 1783 im Besitz der Familie Pfeilstricker befand.
Weiterhin weiß man, dass Mitte des 18. Jahrhunderts dort ein gewisser Heinrich Lichtschlag eine „Kaiserliche Reichs- Fahr- post" betrieb, die Reisenden Kost und Logis gewährte. Der Wandel zur Brauerei erfolgte 1862: Der Gastwirt und Bierbrauer Wilhelm Cürten kaufte das damalige Weinhaus „Bergischer Hof", richtete im Keller eine Brauerei ein und schenkte schon bald sein obergäriges Bier aus, das reißenden Absatz fand. Weil der Chef aber fast immer mürrisch dreinblickte und außer zum sonntäglichen Kirchgang das Haus nie verließ, sprachen die Gäste vom „uerige Wellem", womit der Name nachhaltig geprägt war.

