Presseartikel RP - 07.12.2010 - Als Engel den Nikolaus begleiten

Presseartikel RP - 07.12.2010 - Erst ein Gedicht oder ein Lied, dann gibt es ein kleines Geschenk von Nikolaus Schnitzler. RP-Volontärin Leslie Brook war als Engel mit dabei. RP FOTO: ENDERMANN

Als Engel den Nikolaus begleiten

Advent, Advent - Einmal im Jahr verwandelt sich Uerige-Baas Josef Schnitzler in den Nikolaus und verteilt Tausende Weckmänner an die Kinder der Stadt - und das schon seit fast 30 Jahren. Unterstützt wird er dabei von den Knechten Bernd Dohmen und Michael Treutlein

von Leslie Brook

"Engelchen, gut dass du da bist", sagt Josef Schnitzler, der zu diesem Zeitpunkt
dem heiligen Nikolaus schon sehr ähnlich sieht. Er trägt ein maßgeschneidertes
rotes Gewand und schwarze Stiefel. Nur der Bart, die weißen langen Haare und die buschigen Augenbrauen fehlen noch. "Die Bartnadeln sind immer das Schmerzhafteste", sagt der Uerige Baas und lacht. Das Engelchen hat nicht viel Zeit zum Nachdenken: das lange weiße Kleid mit goldenen Sternen hängt bereit, und der Lockenstab ist auf Betriebstemperatur erhitzt. Friseurin Monika Plaghki nimmt sich der glatten blonden Haaren an und dreht eine Schillerlocke nach der anderen. "Sie sollten öfter Locken tragen, nicht nur als Engel", sagt sie. Jutta Ross, Maskenbildnerin am Düsseldorfer Schauspielhaus, schminkt das himmlische Wesen: Sie legt Rouge auf, betont die Augen blau und schminkt die Lippen rot. Dann ist der Engel bereit für den Einsatz.

Erstmals ohne Kutsche

Josef Schnitzler und seine beiden schwarz gewandeten Knechte sind ein eingespieltes Team. Seit 1982 beschenken sie die Kinder am Nikolaus-Tag mit 2000 Weckmännern. Das bedeutet viel Arbeit für sein Gefolge: Bernd Dohmen und Michael Treutlein tragen die süßen Gaben in großen Leinensäcken. "Man taucht in eine Welt der Tradition ein", sagt Treutlein, der früher Polizist in der Altstadt-Wache war. Eine Kutsche gibt es in diesem Jahr nicht. Grund: "In der Stadt sind nur noch Reststraßen vorhanden", sagt der 72-jährige Braumeister, Josef Schnitzler. Stattdessen will er im Viertel rund um die Flinger Straße und die Grabenstraße Kinder beschenken. Ihre Augen werden groß, als sie die imposante Gestalt mit der Mitra und dem weißen Rauschebart sehen: "Einen
Nikolaus gibt es in Spanien nicht", sagt die zehnjährige Blanca aus Madrid, die den ersten Weckmann aus dem prall gefüllten Sack geschenkt bekommt.

Ein Präsent gibt es nur für Kinder, die auch ein Gedicht oder ein Lied gelernt haben - da ist der Düsseldorfer Nikolaus streng. Doch das sind an diesem Tag nur wenige: Lediglich eine Handvoll Kinder ist in der Lage, ein paar Verse aufzusagen oder ein Weihnachtslied anzustimmen. "Da brauche ich keine  Pisa-Studie", sagt der Düsseldorfer Nikolaus mit gerunzelter Stirn. "Ich vermisse, dass Kinder in der Familie singen und Gedichte vorgelesen bekommen." Doch dann kommt doch ein kleiner Junge, von dem seine Mutter Simone Maschke sagt, er sei ein Schauspieler, und trägt ein wunderbares Gedicht vor. "Wer sind die beiden schwarzen Männer?", will der vierjährige Torben dann wissen. "Das ist Knecht Ruprecht." Fragend schaut er das Engelchen an. Dann sagt er: "Ich bin lieb." Und grinst.