Kämmerer parkt den ganzen Tag vor dem Uerige

Von Günther Classen

460 000 Falschparker wurden im letzten Jahr zur Kasse gebeten und 6000 Autos abgeschleppt. Darüber kann Stadtkämmerer Manfred Abrahams (52, CDU) nur lächeln, denn er kriegt nie ein Knöllchen. Er parkt seinen Dienstwagen mit einer "Ausnahmegenehmigung" vor dem Bierhaus Uerige auf dem Gehweg. Ordnungsdienst-Mitarbeiter staunen, schlendern aber machtlos weiter.

Von diesem Auto lassen sie lieber die Finger. Schon seit Monaten regen sich Uerige-Gäste und Anlieger über die Extra-Wurst für den Stadtkämmerer auf. Autofahrer und Uerige-Stammgast Ralph Körner (55): "Das sollte ich mir mal erlauben, da ist der Abschleppwagen aber ganz schnell da."

Abrahams, Herr der Stadtfinanzen, hat sein Büro im Stadthaus am Uerige. Er blockiert mit dem schwarzen "Mercedes Blue Efficiency" die rückwärtigen abgepollerte Zufahrt, drängt Fußgänger auf die Straße ab.

Behördenkungelei? Die "Ausnahmegenehmigung" bekam Abrahams vom Amt für Verkehrsmanagement. Sie ist fast unlesbar in einer Folie hinter der Windschutzscheibe abgelegt. Der Stadtkämmerer zum EXPRESS: "Ich stehe nur ausnahmsweise da zum Ein- und Ausladen von Akten. In der Regel steht der Wagen im Rathaus-Innenhof." Beobachter widersprechen da: "Er steht seit Monaten ständig da. Man sieht Abrahams gelegentlich weg- und vorfahren."

Marcus Völker vom Bündnis 90/Die Grünen: "Ein Dezernent sollte Vorbild sein. Man nicht Sondererlaubnisse beanspruchen und andererseits Autofahrer, die Parkregeln nicht beachten, vom Ordnungsdienst verfolgen lassen." SPD-Fraktionschef Markus Raub: "Eine Ausnahmegenehmigung für Herrn Abrahams ist überflüssig. Im Rathaus-Innenhof gibt es genug Platz für den Wagen."